Trans Germany 2009

 

2009-06-30 StS

 

Stefan

Karl

Tim

Tom

Simone

Vincent

Lukas

Friedemann


Das Bulls-Team

Trans Germany

Kurz nach dem Startschuss zur letzten Etappe der Trans Germany nach Seiffen schossen wir mit maximaler Geschwindigkeit in den ersten Kopfsteinpflaster-Anstieg. Meine Beine waren schon nach der Hälfte des eher kurzen Steilstücks so blau, dass ich am liebsten wieder den Berg hinunter gerollt wäre. Doch es gab keine Alternative, wenn ich meinen Team Kapitän Thomas Dietsch im Kampf um den Gesamtsieg unterstützen wollte. Also, Zähne zusammen beißen und versuchen sich nichts anmerken zu lassen. Ich sagte mir an jeder kleinen Welle, hey, wenn es mir weh tut, ist es für die Anderen auch nicht einfach. Und so konterte ich zusammen mit Tim Böhme jede Attacke der Merida-Fahrer und versuchte das Tempo hoch zu halten. Das war Rennsport vom Feinsten und an Spannung kaum zu überbieten.

Im Laufe der Veranstaltung hatten sich vier Fahrer hervorgetan, die um den Gesamtsieg kämpften, Alban Lakata, Thomas Dietsch, Andi Kugler und Hannes Genze. Alban hatte viel Defektpech und wurde auf der 4. Etappe leider weit zurück geworfen. Er war raus aus dem Kampf ums Gelbe Trikot und gab das Rennen auf, um sich am Wochenende den österreichischen Staatsmeistertitel auf der Langdistanz zu holen. Also blieben unser Tom und die zwei Meridas übrig.

Auf dem vierten Teilstück nach Bad Steben wurde das Gelbe Trikot von Tom durch ein taktische Fehleinschätzung unsererseits gefährdet und Jochen Käß fuhr in einer Ausreißergruppe auf nur 24 Sekunden an Tom heran. Das Problem, unser Karl hatte die Gruppe erst zustande gebracht und die Stärke von Jochen unterschätzt. Er hatte nicht gedacht, dass sie mit der Gruppe einen so großen Vorsprung herausfahren würden.

Diese Etappe war der absolute Tiefpunkt für unser Team und es gab viel zu diskutieren. Karl wurde auf dieser Etappe Dritter aber er sah nicht sehr glücklich dabei aus.

Ab jetzt würde es kein Pardon mehr geben und wir waren gefasst auf einen offenen Schlagabtausch mit Merida. Überraschenderweise blieb dieser aber auf der 5. Etappe aus und das Rennen war eher gut kontrollierbar. Einziger Wermutstropfen war Karls Schultergelenk, das zum wiederholten Mal einer schweren Abfahrt nicht standhalten konnte. Er musste das Rennen dann vorzeitig aufgeben.

Also kam der Showdown auf den letzten beiden schweren Etappen. Es war klar, dass Merida vom Start weg attackieren würde um uns in Schwierigkeiten zu bringen. Wie immer ist es am Start lustig und man erzählt sich das eine oder andere während der neutralisierten Phase. Komischerweise versuchte Hannes Genze mich, Jochen Käß und Tim in ein Gespräch zu verwickeln, währen sich Andreas Kugler an der Spitze zum Attackieren bereit zu machen schien. Aber ich war gefasst auf alles zu reagieren und musste die nette Unterhaltung dann beenden. Und schon ging es los, Attacke von Kugler; aber ich sprang sofort an sein Hinterrad. Dann weiter mit einem Höllen-Tempo durch einen Singletrail und schon kam der nächste Angriff von Hannes der aber durch Tim sofort zunichte gemacht wurde. So ging es dann die nächsten 20 Kilometer auf denen die Merida Fahrer abwechselnd attackierten. Irgendwann ließen die Angriffe nach und ich setzte mich an die Spitze der kleinen Kopfgruppe und hielt das Tempo so hoch, dass keiner mehr Lust hatte zu attackieren. Ich hatte gute Beine an diesem Tag und immer das Gefühl jede Aktion kontern zu können. Als Gruppe fuhren wir in den langen Anstieg zum Fichtelberg, dem Dach der diesjährigen Trans Germany. Es war schnell und Kugler hatte gerade das Tempo erhöht, da ertönte das in der Situation wohl übelste Geräusch das man sich wünschen kann. Ich fuhr direkt neben Tom und mit einem lauten hohen Pfeifen entwich die Luft aus Toms Vorderrad. Ich hielt sofort an und gab ihm meines und schickte ihn und Tim auf die Jagd hinter der Spitzengruppe her. Er verlor nicht viel Zeit, etwa 20 Sekunden und konnte die Lücke schnell wieder schließen. Ich hatte jetzt erst mal Pause und reparierte in aller Ruhe das platte Vorderrad von Tom. Im Ziel hörte ich dann erleichtert, dass er trotz erneutem Luftverlust, diesmal am Hinterrad sein Gelbes Trikot noch hatte. Die Mission war erfolgreich gewesen für diesen Tag, aber sein Vorsprung auf den Zweiten war noch einmal um 30 Sekunden geschmolzen.

Letzte Etappe. Der erste steile Anstieg ist vorbei und es geht auf einer Teerstraße leicht ansteigend bergauf. Meine Beine brennen und fühlen sich an wie zu weich gekochte Spaghetti. Egal, der Wille jeden Angriff zunichte zu machen treibt mich weiter und mit scheinbar unendlich langsamer Geschwindigkeit führe ich das gesamte Spitzenfeld weiter den Anstieg hoch. Als Erster fahre ich in die Abfahrt und versuche das Feld zu kontrollieren. Es geht weiter wie am Tag zuvor und es folgt Attacke auf Attacke. Abwechselnd schließen Tim und ich die Löcher, um danach gleich wieder das Tempo hoch zu halten. Es gibt kein Ausruhen und es ist auch psychologisch wichtig zu zeigen was man drauf hat, dass man keine Angst vor Schmerzen hat. Tom ist in großartiger Verfassung und seit Beginn der Trans Germany jeden Tag stärker geworden. Er macht immer einen souveränen Eindruck. Das gibt auch mir die Sicherheit, dass er immer noch einen drauf setzen kann. Nach Kilometer 30 setzten sich Hannes Genze, Jochen Käß zusammen mit Tim und Tom ab und der Rest der Gruppe lässt sie ziehen um endlich ein bisschen zu verschnaufen. Es wird langsam im Feld und zwischenzeitlich haben wir über 4 min Rückstand. Auf den letzten 15 Kilometern forciert Kugler, warum auch immer, das Tempo und reduziert die Kopfgruppe auf nur noch 6 Mann. Er greift in der letzten Abfahrt des Tages an und fährt als erster der Gruppe in die Bergwertung. So richtig kommt er aber nicht weg und ich fahre zusammen mit Thomas Nicke die 20% hinauf in Richtung Seiffen. Der Sprecher an der Bergwertung verkündet den Gesamtsieg von Tom und ich greife überglücklich zum Plastik-Sektbecher der mir kurz vor der letzten „Flamme Rouge“ der Trans Germany angeboten wird. Es ist geschafft und ich rolle zufrieden in Richtung Ziel. Dort stehen schon meine Team-Kollegen sowie alle Betreuer und empfangen mich mit einer Sektdusche.

Wir haben es geschafft und diese Rundfahrt hat uns als Team und als Freunde noch enger zusammen geschweißt.

Ubuntu“ (südafrikanisch): Die Leistung der Gemeinschaft ist weit mehr wert als die Stärke des Einzelnen. Genau das beschreibt den Geist unseres Teams.