Trainingslager mit der Nationalmannschaft

 

 

2007-02-27

 

Trainingslager im „Goldenen Käfig“

Der Aldiana Club auf Zypern steht mitten im Nirgendwo und bot uns Sportlern der Nationalmannschaft zum zweiten Mal nach 2006 Unterschlupf für 2 Wochen Trainingslager. Goldener Käfig beschreibt es absolut treffend. Es gibt dort die verschiedensten Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten. Tauchen, Tennis, Bogenschießen, Wellness, Sauna und vieles mehr. Allerdings nur, wenn man nicht gerade im Grundlagen-Training steckt und zwischen 6 und 7 Stunden im Sattel verbringt. Doch es gab ja auch Ruhetage und an denen wurde das Angebot voll ausgenutzt.

Die Sonneninsel Zypern empfing uns erst einmal mit durchwachsenem Wetter. Morgens bei der Abfahrt schien die Sonne und pünktlich zum Mittag zogen dicke Regenwolken von den Bergen her auf. Das ein oder andere Mal kamen deshalb die Schutzbleche zum Einsatz und die Waschmaschinen im Club liefen heiß.

Da zeigte sich die Hotelausstattung  wieder mal von ihrer besten Seite und wir waren froh über Sauna, Whirlpool und Dampfgrotte die unsere kalten Beine wieder auf Betriebstemperatur brachten.

Beim Club-Urlaub lernt man ja immer neue Leute kennen und so machten wir Bekanntschaft mit Herrn Pfennig, der Kapitänsleutnant auf der Fregatte Brandenburg ist. Die Fregatte war auf „Urlaub“ und lag im Hafen von Larnaka. Nach einigen Gesprächen lud er uns ein die Fregatte zu besichtigen. Sie ist das Flaggschiff eines Verbandes von 16 Schiffen, die im Rahmen der UN die Gewässer vor dem Libanon kontrollieren.

Wir machten uns also am 2. Ruhetag auf den Weg zum Hafen nach Larnaka und betraten gespannt die Brandenburg, deren eigentliche Aufgabe die U-Bootjagd  ist. Herr Pfennig führte uns persönlich über das Schiff und erklärte uns alles sehr eindrucksvoll. Hier sind einmal ein Paar Zahlen am Rande. Länge: 140 m, max. Geschwindigkeit 29 Knoten (ca. 50 km/h). Das ist verdammt schnell für so ein Ungetüm aus Stahl. Noch beeindruckender ist aber der Bremsweg. Die Fregatte benötigt gerade mal 2 Bootslängen bis zum Stillstand. Allerdings liegt dann alles was vorher still stand auf dem Boden.

Der nächste Trainingsblock begann mit gezieltem K3 Training (Kraft am Berg).

                  Die Mannschaft mit Trainer Frank Brückner

Das Wetter hatte sich zum Guten gebessert und wir kamen auf die Idee einmal auf den Olymp zu radeln. 2000 Meter hoch und sozusagen das St. Moritz von Zypern. Dieses Vorhaben wurde direkt am nächsten Tag in die Tat umgesetzt und wir verschoben die Abfahrtszeit auf eine halbe Stunde früher, denn es würden wohl mindestens 7 h reine Fahrzeit werden. Die Anfahrt zum Berg hatte es auch schon in sich, denn wir mussten erst einmal über zwei kleinere Pässe. Der eigentliche Anstieg zum Olymp hat zwei „ Stufen“. Der erste Teil ist relativ steil und nach einem Flachstück geht es sehr gleichmäßig bis zum Gipfel hinauf. Auf der Abfahrt wurden die Höhenmeter in einem Viertel der Zeit wieder vernichtet.

In Limassol machten wir dann unsere verdiente Pause und verschlangen Halumi Sandwiches und Schoko Croissants in Mengen.

Am Ende standen 210 km und ein 30er Schnitt auf der Uhr.

Die Königsetappe war vollendet und hinterließ ihre Spuren, leicht angeknockt begaben wir uns in den wohlverdienten Ruhetag und nutzten ein weiteres Mal die Annehmlichkeiten der Clubs.

Ab jetzt teilte sich die Trainingsgruppe in die, die den Sunshine Cup fahren und die anderen. Die „Renn-Gruppe“ bereitete sich mehr oder weniger individuell auf das Rennen vor und die anderen machten noch zwei schöne Touren durch die Berge.

Sunshine Cup
Man sollte denken mit solch einer Bezeichnung kann doch nix schief gehen. Nun, falsch gedacht. In strömendem Regen fuhren wir nach Tochni zum Start. Die Aufwärmphase fiel an diesem Tag aus und das rächte sich sofort. Der Start war sehr schnell, was natürlich auch an der Besetzung des Rennens lag und nach etwa 5 km kam der Scharfrichter der mir erst einmal die Beine verbog. Nach den langen Grundlagen-Einheiten und dem kalten Wetter war jegliche Spritzigkeit weg und ich hielt mich so auf Position 30. Meinem Teamkollegen ging es ähnlich und als er zu mir auffuhr beschlossen wir zusammen zu fahren. In der ersten Abfahrt machten wir direkt 5 – 10 Plätze gut denn links und rechts der Strecke standen Fahrer bei denen die Luft raus war. Unter anderem auch Torsten Marx vom ALB-GOLD Team. Dazu aber später. Bei der Verpflegung bei Kilometer 30 von 45 schlossen wir zu einer Gruppe mir Belgiern auf. Unter anderem auch Filip Meirhaege. Eine Stunde Rennen war vorüber und der Motor war auf Betriebstemperatur. Und von da ab ging es nur noch vorwärts. Wir forcierten das Tempo und aus der belgischen Gruppe war nur noch Filip übrig. Je näher wir dem Zielort kamen, desto schlammiger wurde die Strecke und wir waren ganz schön am rumschliddern. Ca. 4 km vor dem Ziel ging es rechtwinklig vom breiten Schotter-Weg in eine Wiese. Der Boden war so tief und lehmig, dass sofort riesige Klumpen an Gabel und Hinterbau hingen. Drei Tritte später kapituliert mein Schaltauge vor dem Lehm und Steingemenge und machte mich zum Fußgänger. Das Problem war, es gab nur eine Möglichkeit ins Ziel zu kommen, und das war über die Rennstrecke. Also versuchte ich mein Rad weiter zu schieben. Allerdings blockierten nach wenigen Metern die Räder und ich musste sie erst wieder ausgraben um nach weiteren Metern dies zu wiederholen. Tragen half auch nichts denn mein Rad wog mittlerweile etwa 30 Kilo. Also schleppte, zog oder schob ich es so gut es ging den Berg hinauf. Das ging so weiter bis der Rennkurs auf die Hauptstraße bog die nach Kalavasos führte. Also machte ich den Sattel runter und trabte auf meiner Draisine dem Ziel entgegen. Auf dem letzten Kilometer kam Torsten Marx von hinten angefahren und ich hielt mich an seiner Sattelstütze fest und ließ mich im „ALB-Gold Taxi“ bis ins Ziel fahren.

Etwas enttäuscht machte ich mich auf den Rückweg zum Hotel, aber nach zwei ausgiebigen Sauna-Gängen und einem grandiosen Abendessen war die Enttäuschung wieder verflogen. Am nächsten Tag ging es wieder nach Hause ins graue Deutschland. Allerdings nicht für lange, denn am 9. März geht es zum „Race under the Sun“ ebenfalls auf Zypern und ich hoffe diesmal ist der Name wirklich Programm.